Lieblingsalben 2017

Platz 1

Wenigstens in der Lieblingsalbum-Kategorie gibt es also einen ersten Platz, den sich allerdings zwei Platten teilen müssen. Die eine Scheibe haben wir der Band Bilderbuch zu verdanken, die sich damit zum zweiten Mal nach 2015 an die Spitze dieser Rubrik setzen konnte. Damals räumten die Jungs um Sänger Maurice Ernst mit Schick Schock ab, heuer ist Magic Life der Favorit von zwei eareyeam-Poll-Teilnehmerinnen, die Bilderbuch gerne auf dem Weg in den Falco-Gral begleiten, in dem das österreichische Idiom mit englischem Vokabular ekstatischen Nuschelsex betreibt. Aktuell befindet sich ja die Single-Auskoppelung Eine Nacht in Manila in der Heavy Rotation deutschsprachiger Radiosender. Doch ehrlich gesagt, stellt sich beim Hören dieses Songs ein gewisser Ermüdungseffekt ein. Man kennt ja so langsam das Muster der noch in jedes Bilderbuch-Stück einmontierten Billigschmock-Gitarren-Riffs. Deshalb gibt’s hier lieber den um einiges präziser gebauten und zugleich charmant die eigene Pompösität vor sich hertragenden Hit Bungalow. Ein würdiger Nachfolger von Maschin.

Ebenfalls nach ganz oben hat es die Platte Love What Survives des Londoner Duos Mount Kimbie geschafft. Und auch Dominic Maker und Kai Campos trumpfen in der Lieblingsalbum-Kategorie nicht zum ersten Mal auf: Mit Cold Spring Fault Less Youth waren sie 2013 erfolgreich, konnten damals sogar die Daft-Punk-Doppelrille Random Access Memories auf den zweiten Platz verweisen. Diesmal holte Mount Kimbie sich zur musikalischen Verstärkung nicht nur wieder King Krule, sondern auch James Blake und Micachu, was Maker und Campos keineswegs geschadet hat, denn für ihre mittlerweile dritte Studio-LP bekamen sie durchweg positive Kritiken. Der auf Love What Survives enthaltene Instrumentaltrack Delta besitzt fast so etwas wie eine nervöse New-Wave-Coolness, und das von Frank Lebon gedrehte Video zum Stück erzählt die Story eines Bankraubs, bei dem einer der Täter allerdings eine Identitätskrise erleidet. Very british, indeed.


Nennungen

Als Kadhja Bonet im Herbst 2016 ihre Debüt-EP The Visitor veröffentlichte, waren die Kritiker voll des Lobes für die von der kalifornischen Künstlerin dargebotenen Mischung aus Psychedelia und Soul. Bonets Vater ist Opernsänger, ihre Mutter ebenfalls Musikerin, die Frau hat also Noten mit der Muttermilch aufgesogen und brachte sich dementsprechend alle möglichen Instrumente selbst bei. Ein Leser fand The Visitor auch noch im Jahr 2017 so unschlagbar, dass er die EP in die Kategorie Lieblingsalben reinwählte. Hier folgt nun das Stück Fairweather Friend. Anfang Juni diesen Jahres brachte Bonet übrigens ihre Debüt-LP Childqueen auf den Markt, mit der sie ihren träumerisch-verspielten Ansatz weiter verfeinert und der Querflöte noch mehr Platz zur freien Entfaltung als wiederbelebtes Hippie-Tool eingeräumt hat.

Ja, man muss schon sagen: 2016 war ein verflixt ertragreicher musikalischer Jahrgang – mit überdurchschnittlich guten Album-Veröffentlichungen von Leuten wie Beyoncé, Solange Knowles oder auch A Tribe Called Quest. Der nachfolgende konnte da irgendwie nicht mithalten, weshalb es kein Wunder ist, dass ein weiterer 2016er Kracher die Lieblingsalbumliste einer Leserin für 2017 anführt: Frank Oceans zweites Album Blonde, von dem hier der Track Nights zu hören ist. Eine ausführlichere Würdigung von Blonde gibt es im LeserInnen-Poll 2016 zu lesen, denn schon damals wählte dieselbe Leserin diese Platte in die Lieblingsalbum-Kategorie – leider hatte sie auch damals keine weiteren MitstreiterInnen gefunden. Vielleicht ist Blonde den allgemeinen Hörgewohnheiten mit seinen dekonstruktivistischen R’n’B-Sounds doch zu weit in die Zukunft vorausgeeilt und kann erst im Jahr 2020 mit dem Spitzenplatz in dieser Rubrik rechnen.

Eine Produktion aus dem Spacebomb-Studio im US-Bundesstaat Virginia: Der Musiker und Produzent Matthew E. White hat die britische Sängerin Flo Morrissey dorthin eingeladen, um mit ihr Coverversionen ausgesuchter Kompositionen aufzunehmen. Herausgekommen ist dabei zum Beispiel eine sehr ausgeruhte Neuinterpretation von Grease, dem Titelstück jenes Musicals, dessen Verfilmung Ende der siebziger Jahre Olivia Newton-John und John Travolta zu Teenie-Idolen machte. Gewürzt wurde das Grease-Cover von White mit einer kleinen Referenz an den Ann-Peebles-Song I Can’t Stand The Rain. Mit größter Geschmackssicherheit erheben Matthew E. White und Flo Morrissey auch jüngere Kompositionen wie James Blakes The Colour In Anything und Charlotte Gainsbourgs Heaven Can Wait in den Adelsstand des Evergreen. Und wenigstens sie würdigen Frank Oceans Meisterschaft mit einer jazzig-zurückgelehnten Version des Stücks Thinking Bout You von seinem Debüt-Album Orange aus dem Jahr 2012. Gentlewoman, Ruby Man ist eben eine LP für Gentlewomen und Rubinmänner.

Neben Frank Oceans Blonde hat auch Kate Tempests Let Them Eat Chaos den Sprung vom eareyeam-LeserInnen-Poll 2016 in die Charts des vergangenen Jahres geschafft. Kein Wunder, denn die Scheibe war ja auch die klare Gewinnerin in der Lieblingsalbum-Kategorie 2016. Fünf Poll-TeilnehmerInnen hatten damals für Let Them Eat Chaos votiert, nun ist immerhin noch eine übriggeblieben, die von Tempests spezieller Fusion aus Slam Poetry und Elektronika-meets-Hip-Hop-Sounds einfach nicht genug bekommen kann. Ihr zuliebe zeigt eareyeam das Video zum Track Tunnel Vision, in dem Tempest vor einem eher unaufgeregt vor sich hin mäandernden Sound ein weiteres Kapitel ihrer unerbittlichen Betrachtung der Misere turbokapitalistischer Gesellschaften ausbreitet. Zur Zeit steht Tempest vor allem in Deutschland wegen ihrer Nähe zu den Positionen des BDS selbst in der Kritik und hatte deswegen auch schon ein für Anfang Oktober 2017 geplantes Konzert in der Volksbühne abgesagt.

Immer wenn Kritiker das Preisschild mit der Aufschrift Post-Rock an ihr Oeuvre heften wollen, müssen die Mitglieder von Godspeed You! Black Emperor kotzen. Für sie selbst sind Genres bedeutungslos, wichtig ist ihnen der Ort, an dem sie ihre gitarrenlastigen Instrumentals mit Überlänge auf die Welt bringen: Montreal, seit einigen Jahren schon die Stadt mit der wohl vielfältigsten und interessantesten Musikszene Nordamerikas. Aus dieser rekrutiert sich die ständig wechselnde Belegschaft von Godspeed You! Black Emperor, zeitenweise war die Band mal auf 15 Köpfe angewachsen. 2017 haben acht Leute mit Luciferian Towers das sechste Studioalbum eingespielt. Hier kann man es nun in voller Länge genießen – eine vierundvierzigminütige Noise-Symphonie, die überraschend optimistisch ausklingt. In Montreal gibt man dem Happy End auf sehr eigenwillige Art noch eine Chance.

Josh Tillman war einst Mitglied bei der US-Band Fleet Foxes. Als Father John Misty hat er im vergangenen Jahr sein inzwischen drittes Soloalbum Pure Comedy veröffentlicht, die meisten der Stücke auf dieser Scheibe brachte Tillman aber schon 2015 zu Papier. In den Lyrics geht es um Fortschritt, Technologie, Umwelt, Ruhm, Politik, Altern, soziale Medien, menschliche Beziehungen und natürlich darum, was das alles mit Father John Misty selbst zu tun hat. Klingt das jetzt zu böse, wenn eareyeam behauptet, Tillman arbeitet mit voller Kraft an seiner Erscheinung als Twenty-First-Century-Update von Elton John. Letzterer hat ja in den vergangenen Jahren durchaus eine neue Wertschätzung durch die MusikerInnencommunity der westlichen Industrieländer erfahren, nicht zuletzt weil er stets loyal an der Seite strauchelnder Kollegen stand, aber auch, weil er einen Backkatalog von zahlreichen, in süßer Wehmut getränkten Power-Klavieballaden sein Eigen nennen kann. Father John Misty versucht es John gleichzutun, wie das Titelstück auf Pure Comedy beweist. Noch überzeugender gelingt ihm das übrigens mit seiner jüngsten Platte God’s Favorite Customer, die am 1. Juni 2018 das Licht der Öffentlichkeit erblicken durfte.

Ach, die gute Leslie Feist! Sechs Jahre mussten vergehen, bevor sie wieder mal mit einem ganzen Album von sich hören ließ. 2017 veröffentlichte Feist die LP Pleasure, nachdem sie sich darauf beschränkt hatte, MusikerkollegInnen mit ihrem Gesang auszuhelfen und sich im Holzterrassenbau zu versuchen. Angeblich ging sie zeitweise sogar einem 9-to-5-Job nach. Der Titelsong klingt wie ein Verweis auf das Frühwerk von P.J. Harvey, schließlich besteht das Album ausschließlich aus Rohfassungen, wie Feist über ihre Plattenfirma verlautbaren ließ. Feist wollte, dass Pleasure so trickfrei und so nah am menschlichen Körper wie möglich klingt, damit die emotionalen Grenzen, die sie mit ihrer Musik auszuloten beabsichtigte, beim Hören auch tatsächlich spürbar werden. Es sei ihr, so Feist, um Einsamkeit, private Rituale, Geheimnisse, Scham, zunehmenden Druck, Unverbundenheit, Sanftheit, Ablehnung und Fürsorge sowie das Fehlen selbiger gegangen.

Das fanden einige FeuilletonistInnen den wahren heißen Scheiß des Jahres 2017: eine Kreuzung aus Black-Metal und Gospel beziehungsweise Work Song oder Prison Chant. Unternommen hat sie der in New York lebende Schweizer Manuel Gagneux unter dem Alias Zeal & Ardor auf dem Album Devil is Fine. Die der Musik Schwarzer SklavInnen eingeimpfte Gottesfurcht wird von Gagneux also ausgerechnet mit norwegischem Satanismus neutralisiert – und das Ganze geschieht auch noch auf Anregung von NutzerInnen der zweifelhaften Chat-Plattform 4chan, die Gagneux einfach gefragt hatte, aus welchen zwei Musikrichtungen er denn mal ein Stück erschaffen solle. Die Internettrolle wollten ihre Antwort bestimmt als bösen Witz verstanden wissen, aber Gagneux machte mit der Genre-Mischung ernst und suchte sich sogar eine Band zusammen, um im Sommer 2017 als Zeal & Ardor mit den Devil-is-Fine-Tracks auf Tournee zu gehen. In seiner alten Heimat hat man den Musiker auch nicht vergessen, dieses Jahr wurde er für den Swiss Music Award im Bereich Best Live Act nominiert – vielleicht auch, weil der Sound von Zeal & Ardor in seiner Wucht und Eigensinnigkeit irgendwie doch an das Repertoire der legendären Young Gods aus dem Kanton Fribourg erinnert. Gewonnen hat dann allerdings der 19-jährige Rapper Nemo.

Nanu, plötzlich bildet sich ein Cluster von Schweizer KünstlerInnen in der Lieblingsalbum-Kategorie – und deren Platten sind noch nicht einmal vom helvetischen Teil der eareyeam-LeserInnenschaft gelistet worden. Die Sängerinnen und Performerinnen Andrina Bollinger und Marena Whitcher haben sich zu einem Duo zusammengefunden und 2017 ihr Debütalbum A Symmetry herausgebracht. Eclecta, der Name, den sie ihrer Kooperation gegeben haben, verweist selbstverständlich auf das eigene musikalische Programm. Das folgende Video zeigt eine Live-Performance des kurzen Tracks Winging the Flame. Bollinger und Whitcher können sich hier und wahrscheinlich auch bei ihren anderen Stücken ganz auf die Wirkmächtigkeit des Duetts ihrer kraftvollen Stimmen verlassen, da muss die Instrumentierung gar nicht so opulent ausfallen. Es genügen ein sparsam eingesetztes Piano und ein simpler perkussiver Beat – schon ist das Lied perfekt und die Idee dahinter auf den Punkt gebracht.

Der schöne Track The Dove von Joe Lefty erinnert an die besten Zeiten des Jazzy Hip Hop zu Beginn der neunziger Jahre, als die New Yorker Formation Digable Planets ihr wundervolles Album Reachin‘ (A New Refutation of Time and Space) der Menschheit zum Geschenk machte. Lefty spinnt also den damals so kunstvoll gefertigten Faden weiter – auf seiner Vier-Stücke-EPHeart Chakra, die als ein weiterer Beweis für die herausragende Qualität der derzeitigen schwedischen Urban-Soul-and-Hip-Hop-Szene gelten kann. Joe Lefty ist nämlich in Stockholm beheimatet und dort Mitglied des Rapper-Kollektivs MadMonks. Dessen Ruf drang aber bisher nicht einmal bis ins englischsprachige Hip-Hop-Universums vor, weshalb eareyeam hier leider keine zusätzlichen Infos zu diesem Zusammenschluss oder gar über Joe Lefty selbst kolportieren kann. Wird wohl langsam Zeit für einen Schwedisch-Sprachkurs.

Oops, auf dem Portal rap.de kriegt das Album Alle Liebe nachträglich von Fatoni & Mine eine richtig schlechte Note. An ihrem Mammut-Projekt, unpeinliche Lieder auf Deutsch über die Liebe zu machen, hätten diese “eigentlich sehr zuverlässigen und talentierten Künstler sich leider überhoben”, lautet das Fazit von Steffen Red, dem Autor der Rezension. Fatoni & Mine würden unfassbar viele Alltagsstereotypen und Klischees bedienen. Das wiederum hält viele Menschen keineswegs davon ab, sich auf Youtube das Video zur Single Romcom immer und immer wieder anzuhören, um sich zu vergewissern, dass der Münchner Rapper, Schauspieler und Radiomoderator und die derzeit in Berlin lebende Produzentin und Chanteuse Mine doch nicht wirklich die abendlichen Dialoge der eigenen Pärchen-Existenz abgelauscht und transkribiert haben. Leider lässt die Realität sich tatsächlich oft nur als Aneinanderreihung von Stereotypen und Klischees wahrnehmen – so sehr man/frau sich das Gegenteil wünscht. Der Romcom-Clip hat schon über 700.000 Klicks auf dem Buckel, trotz des nun wirklich sehr abgedroschenen Kommentars zum sonntäglichen Tatort-Krimi  in den Lyrics. Ja, lieber ’ne Romcom schauen: Pretty Woman und Mamma Mia! sind das perfekte Befriedungsmittel …

The National hat 2017 mit Sleep Well Beast das siebte Studioalbum veröffentlicht. Es festigt das Quintett in seinem Amt als jene US-College-Rock-Band, auf die sich alle einigen können – ein Posten, der nach der Auflösung von REM für eine Weile vakant geblieben war. Dass Sleep Well Beast kurz nach dem Erscheinen in den Vereinigten Staaten auf Platz 1 sowohl der Top-Rock-Album-Charts als auch der Alternative-Album-Charts klettern konnte, beweist, dass die Fans The National anstandslos gefolgt sind bei dem Versuch, mehr von der Rauheit und dem Chaos der eigenen Live-Auftritte in die Plattenproduktion einfließen zu lassen. Und noch ein wenig radioheadesker zu klingen, sprich: verstärkt digitale Frickeleien in die Sounds einzubauen. Gerade beim Titelstück wird deutlich, dass aus der Ferne OK Computer grüßen lässt. Matt Berningers Stimme wird von Ambient-Sounds geradezu flauschig verhüllt und vom Strophe-Refrain-Strophe-Schema gibt’s hier keine Spurenreste. Allerdings ist Sleep Well Beast auch der abschließende Track der LP, weshalb die Band wohl glaubte, sich bei ihm die weitestmögliche Veränderung der eigenen musikalischen Farbpalette erlauben zu können. Die Sleep Well Beast vorangestellten Stücke bleiben noch stärker der bisherigen, über die Jahre verstetigten The-National-Dramaturgie verpflichtet, obgleich auch an ihnen mit ein paar kleinen elektronischen Störfeuerchen gezündelt wurde, die dankenswerterweise verhindern, dass man beim Hören wegschlummert.

In München geht doch was! Dort gibt es so einige Menschen, die der glatten Oberfläche ihrer Stadt ein paar schmucke Kratzer beizubringen versuchen. Kürzlich hat der lokale Gentrifizierungsprotest gar die Form der Sachbeschädigung angenommen. Kennt man sonst nur aus Hamburg oder Berlin. Auch in Sachen musikalischer Roughness schließt die bayerische Metropole zu den nördlichen Schwestern auf: Candelilla und Friends of Gas sind nur die bekanntesten Namen des “Munich Underground”, ein Begriff, den selbst Musiknerds aus dem angelsächsischen Raum schonmal in den Mund genommen haben sollen. Zwei weitere Münchner Protagonistinnen, die sonst jeweils ihr eigenes Ding machen, nämlich Leroy und Angela Aux, haben sich 2017 extra zur Aufnahme von ein paar Stücken getroffen, die unter dem Titel Grain In Vain zunächst auf Kassette, später auch auf Vinyl zusammengefasst und vom verdienstvollen Label Millaphon Records herausgebracht worden sind. Einer der Tracks, The Point, hätte auch wirklich das Zeug zum lokalen Sommerhit, der ideale Track auf den Kopfhörern während der Fahrt mit dem Rad zum Isarufer und in der guten Tradition der Weilheimer/Münchner Bands wie The Notwist oder Lali Puna stehend. Aber leider schaffte es das Stück wohl nicht mal ins Nachtprogramm von Puls, der Jugendwelle des Bayerischen Rundfunks. Deswegen kriegt es jetzt hier seinen großen Auftritt.

Yo, Mourning Sound von Grizzly Bear ist eindeutig einer der Indiepop-Ohrwürmer des vergangenen Jahres. Schade, dass er keinen Eingang in die Lieblingslied-Kategorie fand. Na ja, dann gibt es ihn eben hier stellvertretend für die 2017 veröffentlichte Grizzly-Bear-LP Painted Ruins zu hören – dem mittlerweile fünften Studioalbum der Band aus Brooklyn, welches eine eareyeam-Leserin zu ihrer letztjährigen Favoriten-Platte erklärt hat. Übrigens: Nur weil in dem Clip zu Mourning Sound nackte Männerhintern und einmal kurz Frauenbrüste zu sehen sind, hat Youtube ihn in die Schmuddelecke gestellt. Da weiß man doch, was man an Vimeo hat und sollte diese Plattform lieber kräftig unterstützen als über ihre niedrigeren Zugriffszahlen zu lamentieren.

Die Musik von My Sister Grenadine lässt sich nicht nur in der Lieblingssong-Kategorie finden, sondern auch hier im Longplayerbereich. Das Album Spare Parts der Band um den Berliner Singer/Songwriter Vincenz Kokot ist immerhin schon ein halbes Jahrzehnt alt, aber eine Poll-Teilnehmerin hatte es auch im vergangenen Jahr in der Heavy Rotation. Kokot, der die Ukulele zupft, sowie seine MitstreiterInnen Angelina Kartsaki (an der Geige und “Gegenständen”) und Felix Koch (Perkussion und Trompete) haben Spare Parts als Collage aus Tönen, Worten und Alltagsgeräuschen angelegt. Rickety Rackety ist eines der Stücke auf der Platte; eine stellenweise gut gelaunt klingende Stop-and-Go-Weise mit extensivem Mundharmonika-Einsatz und mehrstimmigem Refraingesang. Am Ende wird dann aber doch noch geheult.

Auch noch: Idles: Brutalism / Philipp Glass: Aguas Da Amazonia / Spidergawd: IV / Jesca Hoop: Memories are now / Satan takes a holiday: Aliens / Disbelief: The Symbol of death / Fever Ray: Plunge / Schnipo Schranke: Rare / MC Solaar: Geopoethique / Aimee Mann: Mental Illness / Algiers: The Underside of Power / Johann Johannsson: Arrival O.S.T. / United Bible Studies: Rosary bleeds / Jlin: Black Origami / Phoenix: Ti Amo / Parcels: Hideout / Alice Phoebe Lou: Sola / King Krule: The OOZ / HVOB: HVOB / Nicolas Jaar: Sirens / Kate Tempest: Everybody Down / Kendrick Lamar: Damn / Candelilla: Camping / Music from Twin Peaks (Vinyl reissue) / Christiane Rösinger: Lieder ohne Leiden / Love Hotel Band: Love Hotel / ö: Post Human

Hier geht es zu den Lieblingskonzertacts 2017

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