Video of the Week 1/18


King Krule darf die neue Rubrik „Video der Woche“ eröffnen. eareyeam hat den britischen Musiker ja bisher recht stiefmütterlich behandelt. Vor mehr als fünf Jahren, in der Ausgabe 5/13, ertönte zum ersten und letzten Mal die rauhe Stimme des Königs – als Beigabe zu dem Mount-Kimbie-Track You Took Your Time. Archy Ivan Marshall, so heißt der Mann jenseits der Bühne, war da gerade mal 18 Jahre alt und hatte soeben sein Debütalbum 6 Feet Beneath The Moon veröffentlicht. Damals äußerte er gegenüber der Presse, dass ihn The Pixies und The Libertines auf die musikalische Spur gebracht hätten, King Krule klang aber auch wie eine dunklere, elegische Abwandlung des UK-Pub-Hop, dem The Streets auf die Welt half. Quasi verkörperte King Krule ein wenig die Jazzkeller-Variante. Und mit seinem Talent, dystopische Atmosphären zu erzeugen, nahm er auch den Erfolg von Kate Tempest vorweg. Weil es sowohl seine äußere als auch seine innere Stimme vielleicht nicht anders zulassen, ist er auf seiner zweiten Studio-LP Ooz der nocturnen Seite des Lebens treugeblieben. Zwar befindet sich Ooz schon seit Oktober 2017 im Handel, dennoch hat King Krule jetzt noch ein Video für Biscuit Town, den Eröffnungssong der Platte, nachgereicht. Produziert wurde der Clip vom Regie-Duo cc. Wade, das nicht zum ersten Mal laufende Bilder zum Sound von King Krule geliefert hat. Die Gebrüder Michael and Paraic Morrissey, die sich hinter dem Projektnamen cc.Wade verbergen, sind Marshalls Freunde von Kindheit an. Sie haben definitiv einen Hang zu schrägen, surrealen Settings, der gut mit King Krules klanglichen Imaginationen harmoniert. Für Biscuit Town bastelten die beiden aus Karton eine stilisierte Stadtkulisse à la Film Noir, in der King Krule, auf dem Bett oder am Küchentisch vor der Schreibmaschine sitzend, eine Dashiell-Hammett-Pose einnimmt, zwischendurch aber auch mal gullivergroß durch die Straßenschluchten torkelt. Biscuit Town: So wird das Südlondoner Stadtteil Bermondsey im Volksmund genannt, war es doch von 1857 bis 1989 Standort der Backwarenfabrik Peak Freans. In Bermondsey ist Marshall aufgewachsen, er lebt womöglich immer noch dort. Das Video macht eine deutliche Anspielung auf Marshalls Heimat, die direkt an der Themse liegt, mit einer Flußuferszene, an der King Krule auf einem Boot vorbeituckert, während er in ein Diktaphon singt – in der sich allerdings auch ein Astronaut bewegt. Noch an weiteren Stellen im Video ist die Schwerkraft praktisch aufgehoben: So schwimmt eine Frau im nächtlichen Himmel, zu dem King Krule aufschaut, während er am Fenster seines Zimmers steht und in den Lyrics über eine beendete Beziehung sinniert. „You’re shallow waters, I’m the deep seabed“ – besagte Bildsequenz ist eine genaue Umsetzung jener Textzeile, die aber auch als ein Verweis auf die Klassenunterschiede zwischen King Krule und seiner Verflossenen interpretiert werden kann. Archy Marshall selbst erklärte in einem Interview mit dem Onlineportal WePresent, dass die visuelle Qualität des Clips sehr stark mit der hintergründigen Synthie-Streicher-Line, die sich durch Biscuit Town zieht, korrespondiere. eareyeam behauptet einfach mal: Der Track ist eine Neubearbeitung des von Goldie eingeführten Inner-City-LifeSentiments.

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