Video of The Week 4/18


Endlich hat Ewan Jones Morris mal wieder ein Musikvideo produziert. eareyeam findet, dass der aus Wales stammende und derzeit in London lebende Regisseur einer der besten Clipmacher der Welt ist. In jüngerer Vergangenheit verlegte er sich jedoch eher auf das Drehen von Kurzfilmen. Diese Woche nun kompensierte er seine längere Abstinenz zusätzlich noch mit der Veröffentlichung eines Videos zum Song Selfies in the Sunset, den sein Landsmann Gruff Rhys zusammen mit Lily Cole aufgenommen hat. Schon einige von Morris‘ Werken sind auf dem Blog vorgestellt worden: Der Clip für Anna Merediths Stück Taken, die Animation für den Leftfield-Track Ibiza, bei dem auch Sleaford Mods mitgemischt hat, sowie das Video für Carlos, ein Lied der Band Islet. All diesen Arbeiten sieht man die große Experimentierfreude an, die Ewan Jones Morris antreibt. Der Mann probiert jeden möglichen Kniff, jede optische Täuschung aus, er versucht, die computergrafischen Mittel auszureizen, bis es quietscht. Für den gegenwärtig in Island stationierten US-Musiker John Grant hat Ewan Jones Morris, stets in Zusammenarbeit mit seinem Atelierpartner Casey Raymond, nun schon zum vierten Mal einen visuellen Support gebastelt. Die Premiere der Kollaboration zwischen Grant und Ewan & Casey liegt mittlerweile acht Jahre zurück, damals ließen die beiden Regisseure Menschen zu Geistern werden, die aus ihrem trostlosen Alltag in den Weltall aufsteigen und dort miteinander Polonaise tanzen – zu dem elegischen Song I Wanna Go To Marz, dem John Grant eine gehörige Portion Streicher und trauriges Klaviergeklimper verordnete. Grant hatte das gesamte Album Queen of Denmark,auf dem I Wanna Go To Marz zu finden ist, melancholisch eingefärbt, während er inzwischen den Funk frühstückt. He’s Got His Mother’s Hips besitzt eine äußerst prägnante synkopische Bassline, die erst so richtig zum Tragen kommt, nachdem man den Track fast schon an die 80er-Jahre-Synthie-Stampfe verloren gegeben hat. Dazu ertönt Grants tolle sonore Stimme, die von einem Colonel Mustard singt, der irgendwie als heißer Feger rüberkommt, aber auch etwas Sinisteres ausstrahlt: „They say his salsa workshops are a harbinger of doom.“ Eine tolle Allegorie auf den Tanz am Abgrund. He’s Got His Mother’s Hips ist Stück Nr. 6 auf der neuesten Scheibe von John Grant, die den optimistischen Titel Love Is Magic trägt und am 12. Oktober an die Plattenläden ausgeliefert wird. Den gleichnamigen Opener des Albums gibt es auch schon als Single, noch dazu mit einem sehenswerten Video, in dem Hunde und ihre Halterinnen im Mittelpunkt stehen. Um dagegen anstinken zu können, haben Ewan & Casey den He’s-Got-His-Mother’s-Hips-Clip nicht nur selbst illustriert, sondern gleich elf weitere KollegInnen eingeladen, einen Beitrag zu liefern, den die beiden dann in eine Art Sledgehammer-Video-Update einarbeiteten. Die Zulieferer sind Angela Stempel, Anna Mantzaris, Benjamin Portas, Cheng-Hsu Chung, Cossa, Gabriel Mangold, Gyuri Cloe Lee, Jimmy Screamerclauz, Kokofreakbean, Linyou Xie und Thu Tran. Von allem ist etwas dabei: Knete, Stop-Motion, klassischer Zeichentrick, Computerspielereien. Und immer geht es voll auf’s Gesicht von Grant (mit schönen Grüßen an Peter Gabriel), wobei selbiges mal farbig angepinselt wird, mal zusammenschmilzt, dann wieder monströs entstellt wird oder sich schließlich in abstrakte Formen verwandelt. Manche Bilder sind von ausgesuchter Häßlichkeit, aber gerade das macht das Video so anziehend. Man kann sich nicht entscheiden, welche Sequenz die ästhetisch unmöglichste ist. eareyeam würde gerade auf die Szene tippen, in der John Grants Gesicht auf den Unterleib tanzender, lilafarbener Monster projiziert wurde. Aber auch der Ausschnitt, in dem ein nackter, vielköpfiger Grant auf dem Hintern einer aufgespießten Figur balanciert, umgeben von einem Kranz aus künstlichen Händen, ist von echt schlechten Eltern. Dass diese sehr heterogene Sammlung schräger bis abstoßender Images dennoch so reibungslos am Auge des Betrachters vorbeizieht, zeugt eben von den außerordentlichen Montagefähigkeiten des Duos Ewan & Casey. Die 20 Millionen Klicks, die das Sledgehammer-Video auf Youtube schon einfahren konnte, mögen bitte auch dem He’s-Got-His-Mother’s-Hips-Clip beschert werden.

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