Video of the Week 6/18

Der Track Grrrl Like und das dazugehörige Video sind eine direkte Referenz auf das Riot Grrrl Movement, sagt Dope Saint Jude. Anfang der neunziger Jahre hatten die Aufruhrmädchen, angeführt von der Bikini-Kill-Frontfrau Kathleen Hanna, die US-amerikanische Hardcore-Punk-Szene kräftig durchgerüttelt – mit ihrem Versuch, die Gleichberechtigung im Musikbusiness auch mal tatsächlich einzufordern. Weniger mit Riot als vielmehr mit elaboriertem Geschäftssinn wurde eine stärkere Teilhabe später dann im Urban R&B (siehe Beyoncé) durchgesetzt, während die Gitarrenwände schließlich geschlechterübergreifend abbröckelten. Trotz der gegenwärtigen Feminismus-Renaissance im Zuge der #metoo-Bewegung scheint niemand die Musik von Bands wie Babes in Toyland, Sleater-Kinney oder L7 für sich wiederentdecken zu wollen. Und so sind es vielleicht nur die Mitglieder der russischen Gruppe Pussy Riot, die dem originalen Riot-Grrrl-Typus heute noch am nächsten kommen. Und jetzt macht aber Dope Saint Jude den Begriff für sich fruchtbar: Die Rapperin aus dem südafrikanischen Kapstadt erklärt, dass sie ihn in einen für sie relevanten Kontext überführen wolle. „Das Video feiert all das, wofür Riot Grrrl stand, aber es zeigt eine New Age Grrrl Gang, die intersektional, schwarz, queer und kompromisslos ist. All die Leute in dem Musikclip sind in wirklich progressiven Projekten in meiner Stadt engagiert. Deshalb sind sie nicht nur einfach Typen, sondern verkörpern den Spirit meiner Musik“, zitiert sie die Onlineplattform Okayafrica. Am 2. November soll die EP Resilience, auf der auch Grrrl Like enthalten ist, in den Handel kommen, zusammen mit einem Zine, für das einige der im Video Auftretenden einen Beitrag geliefert haben. Das Zine wird mit Kunst, Poetry und Stories über und aus den PoC- und LGBTQI-Communities der Agglomeration unterm Tafelberg gefüllt sein. Dope Saint Jude möchte so jenen eine Stimme geben, die sonst kaum gehört werden. Getrieben von dem Wunsch nach gesellschaftlichem Wandel ist Dope Saint Jude also mächtig multimedial unterwegs, nicht zuletzt hat sie die visuelle Illustration ihres neuen Songs selbst besorgt. Gleich zu Anfang und im weiteren Verlauf des Clips huldigt sie der seinerzeit bahnbrechenden Tanzchoreographien von Janet Jackson. Tatsächlich queer und nicht einfach nur ätzende Satire, wie sie von Seth Rogen und James Franco betrieben wurde, ist die Anspielung auf die mittlerweile schon ikonographische Motorradszene im Clip zu Kanye Wests Bound 2. Dope Saint Jude und ihre Beifahrerin rauschen hier durch die idyllische Landschaft der Kapprovinz, als ob das Touristenverkehrsamt sie dorthin bestellt hätte. Ansonsten macht Dope Saint Jude eine Großfamilienaufstellung à la M.I.A.. Wie überhaupt Grrrl Like stark an den Sound von Mathangi Arulpragasam erinnert. eareyeam hat ja schon länger ein Auge auf die Südafrikanerin geworfen. In Ausgabe 1/15 konnte Dope Saint Jude mit Keep In Touch ihre eareyeam-Premiere feiern, Ausgabe 3/15 enthielt ihren Titel Brown Baas. Von Track zu Track wurde das Arrangement voluminöser und komplexer. Und beginnt nun Grrrl Like zunächst so, als ob der CD-Player gleich den Geist aufgibt, wird das Stück weitgehend von einem superbouncigen Slow-Beat und einem mehrstimmigen Call-and-Response-Refrain mit mächtig viel Hall dominiert. M.I.A. hätte das gewiss nicht besser hingekriegt.

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