Lieblingsfilme 2018

Nennungen

Wie der Klu-Klux-Klan von einem schwarzen Cop verarscht wird, erzählt Spike Lee in seinem jüngsten Spielfilm BlacKkKlansman. Als Vorlage dienten ihm die Erlebnisse des US-Polizeibeamten Ron Stallworth aus Colorado Springs während der späten siebziger Jahre, der seine Story 2014 als Buch unter dem Titel Black Klansman veröffentlicht hatte.
Bei den diesjährigen Oscars wurde Lees Streifen für das beste adaptierte Drehbuch ausgezeichnet. In die Rolle des Ron Stallworth schlüpfte John David Washington, der Sohn von Denzel, und es lässt sich sagen, dass dies der Durchbruch in der noch jungen Karriere des ehemaligen Footballprofis bedeutete. Washingtons supercoole Performance pimpt den an sich schon krassen Schachzug des echten Stallworth ins Cinemascope-Format: Bei der Ortsgruppe des KKK gibt der sich nämlich dank seiner stimmakrobatischen Fähigkeiten als extremistischer Rassist aus und erhält von Gruppenleiter Walter Breachway das Angebot einer Mitgliedschaft im Klan. Da er zu den Treffen der Rassisten verständlicherweise nicht selbst hingehen kann, schickt er seinen weißen, jüdischen Kollegen Flip Zimmerman, der sich gegenüber den Kluxscheißern als Stallworth ausgibt und immer mit einem Abhörmikrofon am Körper ausgestattet ist. Auch David Duke, der oberste KKK-Führer fällt auf diese Täuschung rein und reist zur Zeremonie der Aufnahme von Stallworth in die Organisation an. Doch zuvor bekommen Stallworth und Zimmerman mit, dass die KKK-Ortsgruppe ein Attentat auf schwarze BürgerrechtsaktivistInnen planen. Es kann verraten werden, dass Lee die damaligen Ereignisse in Beziehung setzt mit der gegenwärtigen Trump—Ära. Den Abschluss des Films bilden Originalaufnahmen des Aufmarschs rechtsextremer Gruppen in Charlottesville im August 2017. Lee zeigt auch jene Sequenz, in der ein Faschist mit seinem Auto in eine Gruppe von Gegendemonstrantinnen fährt und dabei die Aktivistin Heather Heyer tötet. BlacKkKlansman ist kein Werk, das trotz seines Fokus auf eine Jahrzehnte zurückliegende Geschichte versöhnlich wirken will, eher spricht aus ihm die Wut darüber, dass sich seitdem nicht soviel verändert hat. Genau das macht es zu einem der wichtigsten audiovisuellen Kommentare zum Geschehen im Staate Trumpistan.

Auch noch: Luca Guadagnino: Call Me By Your Name / Amy Sherman-Palladino: The Marvelous Mrs. Maisel / Lior Raz & Avi Issacharoff: Fauda Series 1 / Markus Goller: 25 km/h / Joachim A. Lang: Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm / Eric Friedler: It must Schwing! The Blue Note Story /
Paolo Sorrentino: Loro / Alex Garland: Auslöschung, Netflix-Serie / Craig Gillespie: I, Tonja / Thomas Stuber: In den Gängen / Turi Vasile: The Guilty / Paul McGuigan: Filmstars don’t die in Liverpool / Michelangelo Antonioni: Liebe 1962 / Joel & Ethan Coen: The Ballad Of Buster Scrubbs / Wes Anderson: Isle of Dogs / Parviz Shahbazi: Malaria – The Vibes of Tehran / Akira Kurosawa: Dersu Uzala / Michael Steiner: Wolkenbruch / Matt & Ross Duffer: Stranger Things, Staffel 1, Netflix / Álex Pina: Money Heist/Haus des Geldes“, Staffel 1, Netflix / Álex Pina: Money Heist/Haus des Geldes“, Staffel 2, Netflix / Ryan Coogler: Black Panther / Ziad Doueiri: Der Affront / Andreas Dresen: Gundermann / Pawel Pawlikowski: Cold War / Damien Chazelle: Aufbruch zum Mond / Arne Feldhusen: Der Tatortreiniger, letzte Staffel, NDR / Patrick Somerville & Cary Joji Fukunaga: Maniac, Netflix-Serie / Tracey Ullman & Dominic Brigstocke: Tracey Breaks The News, BBC1-Serie / Rachel Bloom & Aline Brosh McKenna: Crazy Ex-Girlfriend, The-CW-Serie / Ori Elon & Yehonatan Indursky: Shtisel, Netflix-Serie / Glen Zipper: Dogs, Netflix-Dokuserie / Marti Noxon: Dietland, AMC-Serie

Platz 2

Alfonso Cuarón ist derzeit wohl der bekannteste mexikanische Regisseur, erst recht, nachdem er in seiner Heimat das Drama Roma gedreht hatte, das in diesem Jahr in den Kategorien beste Regie, bester fremdsprachiger Film und beste Kamera einen Oscar ergattern konnte. Die Trophäe für die Kamera ist auf jeden Fall hochverdient. Die opulenten Schwarz-Weiß-Bildtableaus von Roma wertschätzen das Schicksal der mixtekischen Hausangestellten Cleo, die für jene Bevölkerungen des Landes steht, die in den Produktionen der nationalen Filmindustrie sonst nur als stumme StatistInnen vorkommen. Allerdings ist die Story tatsächlich das Porträt zweier Frauen und ihres Selbstbehauptungswillens im Mexiko der frühen siebziger Jahre. Cleo arbeitet nämlich im Haus einer siebenköpfigen Mittelschichtsfamilie, deren männliches Oberhaupt meist durch Abwesenheit glänzt. Sofía, die Ehefrau, wird schließlich mit der Tatsache konfrontiert, dass ihr Gatte sie für eine andere verlassen hat. Cleo hingegen beginnt eine Beziehung mit Fermín. Als sie ihm bei einem Kinobesuch eröffnet, dass sie womöglich schwanger sein könnte, macht er sich jedoch aus dem Staub. Die räumliche Nähe der beiden Hauptfiguren verdeutlicht das enorme sozioökonomische Gefälle zwischen den Klassen und ethnischen Gruppen, für die Sofía und Cleo stellvertretend stehen, allerdings verbindet sie zugleich eine Solidarität, die, auch ohne Schulung und exklusiv aus den eigenen Erfahrungen heraus, eine feministische ist. In Mexiko ist Roma nicht nur wegen des Sichtbarmachens tradierter gesellschaftlicher Machtverhältnisse stark diskutiert worden, sondern auch wegen der Rekapitulation eines historischen Aufstands gegen den Status Quo. Im Hintergrund, vor dem sich das Schicksal von Cleo und Sofía abspielt, eskalieren studentische Proteste, bis es zum sogenannten Fronleichnam-Massakers des Jahres 1971 kommt, bei dem Dutzende Menschen von einer paramilitärischen Gruppe namens Los Halcones getötet werden. Alfonso Cuáron erklärte, dass 90 Prozent der Filmhandlung seinen Erinnerungen an die eigene Kindheit in Roma, einem Stadtteil von Mexico-City, entstammen, zu dem Zeitpunkt des Massakers war er neun Jahre alt. Er hat dieses tief in die Kollektivpsyche des Landes eingeschriebene traumatische Ereignis wieder an die Oberfläche geholt, nicht zuletzt auch, um zu skandalisieren, dass die dafür Verantwortlichen bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen wurden.

Ach nö, Daniel Day-Lewis ist in Rente gegangen. Zumindest hatte er angekündigt, dass die Dreharbeiten zum Film Phantom Thread seine allerletzten als Schauspieler sein würden, weil er sich danach aus dem Business zurückzuziehen gedenke. Seine finale Rolle ist also die des Reynolds Woodcock, eines Londoner Luxusschneiders in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, der seine Schwester Haus und Geschäft managen lässt und seiner weiblichen Musen stets schnell überdrüssig wird. In der von der Luxemburger Schauspielerin Vicky Krieps dargestellten jungen Kellnerin Alma findet er schließlich eine ernstzunehmende Herausforderin seines Lebensstils. Ein großer Teil der Geschichte dreht sich um die Gewohnheiten und Empfindlichkeiten von Woodcock und wie Alma sich an ihnen stößt, während der Schneider versucht, von ihr loszukommen, aber es nicht schafft. Das Sammeln und Anbraten giftiger Pilze lässt den Plot zweimal eine neue Wendung nehmen. Den teils orchestralen Soundtrack zu dem Film komponierte im übrigen Jonny Greenwood – in enger Zusammenarbeit mit Regisseur Paul Thomas Anderson, der das Radiohead-Mitglied damit schon zum vierten Mal mit der musikalischen Untermalung eines Films betraut hat. Im Magazin New Yorker wertet der Kritiker Aleksandar Hemon im übrigen Phantom Thread als Propaganda für toxische Maskulität. Die Figur der Alma besäße, so Heman, keine eigene Geschichte, sie verbleibe die ganze Zeit auf dem von männlicher Dominanz durchtränkten Feld der Rituale, Haltungen und Bekleidungen des Hauses Woodcock. Hätte Anderson Kritik an der Ungleichheit der Geschlechter üben wollen, hätte er alternative Positionen darstellen müssen. Das Machtgefälle würde, so Hemon, durch das Casting noch akzentuiert: hier der ältere Superstar bei seinem finalen Auftritt, dort die No-Name-Aktrice, die wohl auch zukünftig unbekannt geblieben wäre, fiele nun nicht etwas von dem Glanze des Day-Lewis auch auf sie herab.

Eben erst ist mit Under the Tree von Hafsteinn Gunnar Sigurðsson ein weiterer isländischer Streifen in den deutschen Kinos angelaufen. Es lässt sich also von so etwas wie einer Blüte der Filmproduktion aus der Inselnation im hohen Norden sprechen. Verantwortlich dafür ist vor allem der Erfolg von Gegen den Strom des Regisseurs Benedikt Erlingsson im vergangenen Jahr. Sein Porträt einer nicht mehr ganz so jugendlichen Laienchorleiterin, die nach Feierabend als Ökokriegerin unterwegs ist, war im vergangenen Jahr auch in Hamburg, Berlin und München ein Publikumserfolg. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass es dank zweier Stimmen einen zweiten Platz in der Kategorie der eareyeam-LeserInnen-Lieblingsfilme erreichen konnte. Die Clownin und Theaterschauspieleerin Halldóra Geirharðsdóttir demonstriert ihr ganzes Können mit der Darstellung der Hauptprotagonistin Halla, die die Welt auf die negativen Effekte der Aluminiumfabrikation in ihrer Heimat aufmerksam machen möchte und sich zugleich ihren Kinderwunsch erfüllen will, indem sie sich um die Adoption eines in einem ukrainischen Heim lebenden Mädchens bemüht. Gleich zwei ziemlich gute Clous bietet der Film: Zum einem spielt Geirharðsdóttir auch noch Hallas Zwillingsschwester, die Yogalehrerin Ása. Deren Sehnsucht nach einem einsiedlerischen Leben in Indien wird Halla in größter Ausweglosigkeit zum Rettungsanker. Und zudem lässt Benedikt Erlingsson eine dreiköpfige Musikkapelle den Soundtrack zum Film quasi live an den Schauplätzen der Handlung spielen – ein Verfremdungseffekt, der die ernsten Themen, die Gegen den Strom durchziehen, mit komödiantischer Leichtigkeit versetzt.

Berlin Excelsior ist der erste Langfilm von Erik Lemke. Im Mittelpunkt dieser 2017 veröffentlichten Dokumentation steht ein Hochhaus, das sich in der Nähe der Ruine des Anhalter Bahnhofs im Zentrum von Spreeathen befindet. Bei BerlinerInnen ist das Gebäude vor allen Dingen deshalb recht bekannt, weil es über einen der wenigen in Betrieb befindlichen Außenaufzüge der Stadt verfügt. Lemke hat mit der Kamera verschiedene BewohnerInnen begleitet. Zum Beispiel Claudia, die als Empfangsdame im Nobel-Restaurant Solar in der Dachetage des Excelsiorhauses arbeitet, aber von einer Karriere als Schauspielerin träumt, Michael, der mit fast 50 Jahren noch Escort-Boy und YouTube-Star werden will, oder Norman, der ein Startup ChangeU anzuschieben versucht, das irgendwie alles auf einmal anbietet: Fitness, Partys und Lebensberatung. Das altehrwürdige Magazin epd-Film kritisiert, dass es Berlin Excelsior an einer Dramaturgie fehle, die Porträts seien beliebig aneinandergereiht. Gegenüber rbb24 erklärt der Regisseur jedoch, alle Protagonistinnen von Berlin Excelsior hätten „große Pläne für die Zukunft, vergessen darüber aber ein bisschen, den Moment zu leben … Dieses ewige Leben in der Warteschleife auf ein besseres Morgen ist der rote Faden, den wir durch den Film ziehen.“ Gilt das etwa auch für Erik Lemke selbst? Der wohnt nämlich ebenfalls im Excelsiorhaus, zumindest tat er das noch während der Dreharbeiten und zur Zeit der Premiere seines Streifens. Sollte die Doku über seine unmittelbaren Nachbarn so etwas wie den eigenen Exit aus der Wohnwabe ermöglichen, trotzdem Lemke sich so fasziniert von der Vielgestaltigkeit des Lebens in den 18 Stockwerken zeigt?

Eigentlich erstaunlich, dass Freddie Mercury erst jüngst zur Hauptfigur eines Biopics geworden ist. Allerdings gab es schon 2010 den Plan, einen Film über den Sänger und seine Band Queen zu drehen, damals war noch Sascha Baron Cohen als Darsteller des charismatischen Frontmanns vorgesehen. Baron schied jedoch wegen künstlerischer Differenzen aus dem Projekt aus. Schließlich trat Rami Malek auf die Bühne und machte seine Sache so gut, dass er dafür Anfang des Jahres einen Oscar als bester männlicher Hauptdarsteller erhielt. Hier muss nicht damit hinter dem Berg gehalten werden, dass Bohemian Rhapsody, bei dem zunächst Bryan Singer und dann Dexter Fletcher Regie führte, mit dem legendären Auftritt von Queen auf dem Live-Aid-Konzert im Londoner Wembley-Stadion schließt. So hat er praktisch ein Happy End, weil in ihm die hochgelobte Performance der Band bei dem weltweit ausgestrahlten Ereignis als Resultat eines Wiederannäherungsprozesses zwischen Mercury und seinen Musikerkollegen dargestellt wird – nachdem der Sänger sich während einer jahrelangen Phase der Exploration von Drogen, sexueller Abenteuer und einer Solo-Karriere von Brian May, Roger Taylor und John Deacon entfremdet hatte. Unter anderem lebte Mercury für eine Weile in München, das in Bohemian Rhapsody, so einige Kritiker, zu Unrecht nur eine randständige Rolle einnimmt. Mercurys Busenfreundin Barbara Valentin und seine große Liebe, der Sebastianseck-Wirt Winfried Kirchberger, kommen zum Beispiel in dem Film gar nicht vor. Und so dramatisch, wie es Bohemian Rhapsody behauptet, sollen die Dissonanzen zwischen Freddie und den anderen Queenies dann doch nicht gewesen sein, das Wandeln auf Solopfaden beruhte wohl auf einem gegenseitigen Agreement. Sechs Jahre nach Live Aid stirbt Mercury an einer Lungenentzündung als Folge seiner Aids-Erkrankung. Die HIV-Diagnose nimmt Bohemian Rhapsody noch mit. Aber den Umgang des Sängers damit, sein körperlicher Verfall, sein Schweigen, um nicht der Stigmatisierung ausgesetzt zu sein – das spart der Streifen aus. Gerade deswegen schaffte Bohemian Rhapsody wohl auch den Aufstieg zum erfolgreichsten Musiker-Biopic aller Zeiten.

In die Lieblingsfilm-Rubrik des eareyeam-LeserInnen-Polls 2017 hatte es die im Paket ausgestrahlte erste und zweite Staffel der Sky-1-ARD-Serie Babylon Berlin mit zwei Stimmen auf den dritten Platz geschafft, diesmal hievten sie zwei andere Poll-TeilnehmerInnen sogar auf den zweiten Rang. Das von Tom Tykwer, Achim von Borries und Hendrik David E. Handloegten gedrehte Epos, das auf Volker Kutschers Roman Der nasse Fisch beruht, könnte sich zum Dauerbrenner entwickeln, bisher wurde noch kein anderer Film beziehungsweise keine andere Serie zweimal auf die Spitzenpositionen dieser Kategorie gewählt. Wer kennt eigentlich noch nicht die Synopse von Berlin Babylon? Okay, also dann hier nochmal wirklich im Destillat: Kommissar Gereon Rath kommt Ende der zwanziger Jahre von Köln nach Berlin, ermittelt in einem Erpressungsfall und kommt mit ganz viel Drogen, Ausschweifungen und politischer Unruhe in Berührung. Es gibt spektakuläre Morde und den Nachtclub Moka Efti, auf dessen Bühne per Zeitmaschine Brian Ferry gebeamt wird. Die gesamte bundesdeutsche Schauspielprominenz konnte eine Haupt- oder Nebenrolle in der Serie ergattern, man muss schon eher fragen: Wer war denn nicht mit dabei? Und auf dem Gelände von Studio Babelsberg wurde für Berlin Babylon die größte Straßenkulisse Europas errichtet, weil an den Originalschauplätzen leider nicht mehr genügend Patina haftet. Schon seit Monaten wird spekuliert, wie wohl die Staffel 3 aussehen wird, die sich an Kutschers Buch Der stumme Tod orientiert und deren Dreharbeiten jetzt im Mai abgeschlossen wurden. Sie soll Ende 2019 bei Sky und dann im Herbst 2020 in der ARD ausgestrahlt werden. Kutscher ist unterdessen mit Sicherheit ein reicher Mann geworden, hat aber noch fünf weitere Romane mit Gereon Rath als Hauptfigur verfasst, die ihrer Verfilmung harren.

Platz 1

Die zentrale Aktion des Spielfilms Three Billboards Outside Ebbing, Missouri, von Martin McDonagh, ist mittlerweile zum Vorbild für politische Aktionen in aller Welt geworden. Die Hauptfigur des Streifens, die verbitterte Mildred Hayes, hat für die Dauer eines Jahres drei große Werbestellwände an der Ausfahrt ihres Wohnortes gemietet, um auf ihnen den lokalen Polizeichef, dargestellt von Woody Harrelson, dafür anzuklagen, dass er zu wenig getan habe, um den einige Monate zuvor geschehenen und mit Vergewaltigung verbundenen Mord an ihrer Tochter aufzuklären. Der Polizei sei es wichtiger, die Schwarzen EinwohnerInnen von Ebbing zu schikanieren und Skateboard-Kids mit Ordnungsstrafen zu überziehen. Daraufhin entspinnt sich ein Kleinkrieg zwischen Hayes und den Gesetzeshütern, in dessen Verlauf aber vor allem die Grundannahmen und Voreinstellungen der ZuschauerInnen aus der Fassung gebracht werden: Der Polizeichef ist sterbenskrank, was die öffentliche Anklage von Hayes kaltherzig erscheinen lässt, er verteidigt sich plausibel gegen die Vorwürfe der Frau, die es nach dem Tod des Sheriffs mit dessen rechter Hand zu tun bekommt. Jason Dixon, gespielt von Sam Rockwell, ist eben jener Beamte, der gerne mal dumpfbackig seinen rassistischen Impulsen nachgibt und Selbstjustiz übt. Nach Dixons Entlassung aus dem Polizeidienst entwickelt er sich erst recht zur losen Kanone und bleibt doch die einzige Person, die Hayes‘ Hoffnung, den Mörder ihrer Tochter zu finden, aufrechtzuerhalten vermag. Hätte im übrigen jemand anders als Frances McDormand die Rolle der nach Rache sinnenden Mutter besetzen können? Selbstverständlich nicht. Keine Hollywood-Schauspielerin der Gegenwart kann den Typ der knurrigen und stoischen Provinzlerin so überzeugend verkörpern wie sie. Das fand auch die Jury der Academy Awards und bedachte sie 2018 mit dem Oscar für die beste Hauptdarstellerin, Sam Rockwell bekam den Oscar für den besten Nebendarsteller.

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