Lieblingssongs 2018

Nennungen

Es waren vor allem die Vulva-Hosen aus dem dazugehörigen Video, die Janelle Monáes Song Pynk zum Gesprächsthema gemacht haben. Und selbstverständlich drehen sich auch die Lyrics um das weibliche Geschlechtsteil, das von Monáe in all seinen möglichen Formen und Facetten abgefeiert wird.
Pynk ist ein smartes Stück Musik, das sich langsam auf einem durchgehenden Fingerschnippen entfaltet und nur kurze Entladungen durch eine eruptive Gitarre erfährt, die den Refrain akzentuiert. Pynk klingt weniger nach Prince als andere Tracks von Monáe, sondern überraschenderweise eher nach Alanis Morissette. Wer glaubt, dass Monáe ihre Songs allein daheim im Kämmerlein schmiedet, muss hier allerdings enttäuscht werden. Ähnlich wie Beyoncé hat sie ein Team von Schreibern und Produzenten um sich gescharrt und für ihr Album Dirty Computer, auf dem Pynk im sogenannten Celebration-Mittelteil zu finden ist, teilweise prominente KollegInnen als Verstärkung gewinnen können. So wirkte an der Aufnahme von Pynk die kanadische Musikerin Grimes mit, von der im Video nichts zu sehen ist, die man aber zumindest aus den Backing Vocals herauszuhören meint. Janelle Monáe bricht übrigens gerade zu einer Europa-Tour auf. Am 2. Juli gibt sie ein Konzert in der Londoner Wembley Arena und am 9. Juli wird sie in der Berliner Columbiahalle auftreten.

Das Musikmagazin Rolling Stone hatte Can’t Feel My Face zum besten Song des Jahres 2015 gekürt. Und der Track des kanadischen Musikers The Weeknd hinterließ offenbar einen so nachhaltigen Eindruck, dass er sogar noch in der Kategorie der eareyeam-LeserInnen-Lieblingssongs 2018 auftaucht. Er stammt von The Weeknds zweitem Studioalbum Beauty Behind the Madness und ist so ein richtiges Uptempo-Brett mit hymnischem Intro. Und aus wessen Feder flossen die Noten? Natürlich waren da die Schweden im Spiel, allen voran der omnipräsente Max Martin, der von Britney Spears bis Ariana Grande schon alles produziert hat, was im US-Showbiz Rang und Namen hat. Beteiligt war auch Peter Svensson, Kopf der Band The Cardigans. Tja, die Schweden shapen nicht nur das Mobiliar, in dem die Mitglieder der Wohlstandsgesellschaften des Globalen Nordens wohnen, sondern auch den Soundtrack zu deren Leben. Im Fall von Can’t Feel My Face lassen Martin und Svensson die Stimme von The Weeknd aka Abel Makkonen Tesfaye noch mehr nach Michael Jackson klingen als sie es ohnehin schon tut. Der Mann, dessen Eltern einst aus Äthiopien nach Kanada einwanderten, singt über den addiktiven Konsum von Kokain, den er als Liebe zu einer Frau allegorisiert, die ihn zugleich in Hochstimmung versetzt und betäubt. Es ist nicht das erste Mal, dass The Weeknd das Thema Drogen in seinen Lyrics anschneidet. In der Ausgabe des Rolling Stone vom Oktober 2015 befindet sich ein ausführlicher Beitrag über den Künstler, der ein wenig Licht auch auf die dunklen Seiten im Leben des Abel Makkonen Tesfaye wirft.

Es wiederholt sich im LeserInnen-Poll 2018 das, was im Jahr davor passiert war: Die TeilnehmerInnen konnten sich zu keinerlei Gemeinsamkeit in Sachen Lieblingssong durchringen. Das überrascht nicht weiter, denn tatsächlich lässt sich im Rückblick sagen, dass es 2018 sowieso kein richtiges Knallerstück à la Get Lucky gab, auf das alle sich hätten einigen können. Deswegen kommt hier einfach mal das Lied Soledad y El Mar von Natalia Lafourcade zum Zuge, das allerdings auch nicht im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde, sondern schon 2017, als Titel auf dem Album Musas: Un Homenaje al Folclore Latinoamericano en Manos de Los Macorinos, Vol 1. Tatsächlich kam 2018 dann auch Volume 2 auf den Markt, aber anscheinend hat das jene Leserin, die von der mexikanischen Sängerin und Multiinstrumentalistin Lafourcade so schwer begeistert ist, nicht auf dem Schirm gehabt. Insgesamt hatte die Fachwelt Lafourcade nicht als diejenige gesehen, die einmal zur Lordsiegel-Bewahrerin der lateinamerikanischen Folksong-Tradition werden könnte, denn Ende der neunziger Jahre startete sie mit wechselnden Bandformationen im Indie-Pop-Bereich. Im Laufe der Jahre entdeckte Lafourcade aber ihre Liebe zu historischem Liedgut, dem zum Teil auch schon die Verschüttung drohte. 2017 tat sie sich deshalb mit Miguel Peña und Juan Carlos Allende zusammen, den zwei über siebzigjährigen Mitgliedern des Gitarrenduos Los Macorinos, das in der Vergangenheit mit der berühmten costaricanisch-mexikanischen Sängerin Chavela Vargas zusammengearbeitet hatte. Lafourcade, Peña und Allende nahmen über 30 Stücke auf, die eben auf zwei Alben verteilt wurden. Soledad y El Mar reiht sich dabei nahtlos in die Coverversionen von Titeln wie Qué He Sacado Con Quererte von Violetta Parra oder Te Vi Pasar von Agustín Lara ein, stammt aber tatsächlich aus der Feder von Natalia Lafourcade und David Aguilar. Es ist ein zurückgelehntes Lied mit einigen unerwarteten Akkordwechseln, in dem die angenehme klare Stimme der Sängerin gut zur Geltung kommt und von den männlichen Backgroundvocals zart umspielt wird. Soledad bedeutet Einsamkeit – die Lyrics lassen sich so interpretieren, dass Lafourcade diesen Zustand nicht unbedingt nur als negativ empfindet, insofern er sie am Ufer eines Ozeans befällt.

Auch noch: Boss Keloid: Chronosiam / Monster Truck: Young City Hearts / Thou: Deepest Sun / Nicki Minaj: Ganja Burn / Natalie Pras: Sisters / Ozan Ata Canani: Alle Menschen Dieser Erde / Gastone: Bella Ciao / Greta van Fleet: Safari Song / Lucas Graham: Love Someone / The Smiths: Bigmouth Strikes Again / Zea: Waitress / Fussypuss: Hologram (Smoke an Mirrors) / Madi Sipes & The Painted Blue: After Hours / Raphael Saadiq: Oh Girl / Michael Kiwanuka: The Final Frame / Timber Timbre: Hot Dreams / Sophie Hunger: Tricks / Charlotte Gainsbourg: Deadly Valentine / Little Dragon: Love Chanting / Superorganism: Superorganism / Chet Faker: Gold / Neneh Cherry: Black Monday / Orbital: Never / Tocotronic: Electric Guitar / Young Fathers: In my View / Context: The Suburbs Dream of Violence / Jens Friebe: Tränen eines Hundes / Jens Friebe: Call me queer / Benny Sings: Big Brown Eyes / Theo Teardo & Blixa Bargeld: Still Smiling / John Keek: If + When / LeRoy: The Point / Metronomy: Love Letters (Soulwax Remix) / Mexrissey: Cada dia es domingo

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