Confinement Clip 3

Selbstverständlich quillt Youtube jetzt schon über von Corona-Clips, auch von solchen, in denen das Virus oder die von ihm ausgelöste gesellschaftliche Krisensituation besungen wird. Darunter befindet sich allerhand Schrott, doch das gilt nicht für das von Danger Dan am 16. März publizierte Video. Es zeigt ihn, wie er zuhause am Keyboard seinen ebengerade erst komponierten Song Nudeln und Klopapier vorträgt. Das Problem leergefegter Pasta- und Toilettenrollenregale hat sich ja wohl erledigt, da sich bei allen Hamsterern inzwischen diese Güter des täglichen Bedarfs bis an die Decke stapeln und zur Corona-Krise bald auch noch eine verstopfte Kanalisation und eine Mottenplage hinzukommen dürften. Und die Produktion und der Nachschub weder von Spaghetti noch von Kackpappe sind derzeit ernsthaft gefährdet. In den ersten Tagen der Ausnahmesituation war die Suche nach der Koch- und Bückware für Millionen von Menschen aber tatsächlich zum unerquicklichen Abenteuer geworden, und Danger Dan, der sonst bekanntermaßen Mitglied der Antilopen Gang ist, wollte uns nur daran erinnern, dass es dabei noch viel, viel wichtigere Dinge gibt, auf die wir derzeit auf jeden Fall verzichten müssen. Obwohl: Zu zweit im Freien spazieren gehen ist ja garnicht verboten, nur der Berliner Zoo hat dichtgemacht, und womöglich ist es den Tieren auch mal ganz recht, nicht immer von Menschen angeglotzt zu werden. Wer hätte übrigens gedacht, dass Daniel Pongratz mal die Qualität eines amtlichen Liedermachers entwickeln würde – sozusagen vom Danger zum Wecker Dan. Aber gegenwärtig ist ja alles möglich. Wobei: Schon jüngst hatte die Antilopen Gang eine Wendung zum noch jungen Genre des Ratgeber-Hop gemacht, siehe Trenn Dich. In letzter Minute bin ich noch über das Video gestolpert, in dem der US-Sänger Chris Mann ebenfalls die Mangelware Klopapier besingt und zwar – wie naheliegend – zu dem Spacko-Rock-Klassiker My Sharona von The Knack aus dem Jahr 1979. Da ich aber die Rolle des Rollensuchers mit Danger Dan besetzt habe, hänge ich einfach einen zweiten Clip des Viertplatzierten der 2012 augestrahlten zweiten Staffel der US-Ausgabe von The Voice dran. In dem propagiert Mann – hin- und hergerissen zwischen Paranoia und Sarkasmus  – Social Distancing und häusliche Quarantäne mittels des Madonna-Klassikers Vogue.

Hamstern und Selbstisolation sind also musikalisch abgehakt. Was fehlt noch? Ach ja, die Beachtung notwendiger Hygienevorschriften wie Hände waschen und Mundschutz tragen. Das ist hauptsächliches Thema vom Corona Song des Kabusa Oriental Choir aus Nigeria, der seit Montag im Netz zu finden ist. Daniel aus London hat ihn für uns herausgefischt. Die klassisch ausgebildeten Jungs schwimmen seit einer Weile dank ihrer Social-Media-Präsenz auf einer Popularitätswelle und performen zumindest im The-Corona-Song-Clip eine seltsame Mischung aus Comedy und Christianity. Letztere tritt etwas unangenehm zum Vorschein, wenn der Kabusa Oriental Choir Verwandten und Freunden droht, sie coronatisch umzutaufen, sollten sie sich mangels Einhaltung der Regeln mit dem Virus infizieren. Oder ist das etwa eher eine Kritik an religiös motivierter Stigmatisierung? Die Chorsänger schlüpfen zu Orgeltönen nämlich nicht nur gerne in Talare, sondern auch in Schuluniformen, um etwa dem nigerianischen Bildungssystem auf slapstickhafte Weise soziale Undurchlässigkeit zu attestieren.   

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