Confinement Clip 4

In meiner Küche plärrt derzeit über viele Stunden am Tag das Radio. Haussender Radio Eins versucht seine Hörer*innenschaft in der Isolation Berlin bei Laune zu halten, und in seine Heavy Rotation hat es gerade ein Lied eingespeist, das – jedenfalls bei mir – besonders heftig anschlägt. Can’t help myself ist wohl der beste Lana-Del-Rey-Song, der nicht aus der Feder von Lana Del Rey stammt, sondern von Alexandra Savior geschrieben wurde, einer Musikerin, die laut Wikipedia aus Portland, Oregon, stammt, und deren erste Youtube-Veröffentlichungen 2012 von Courtney Love entdeckt und bekannt gemacht wurden. Leider gibt’s zu dem Stück kein offizielles Video, nur eins mit schlechter Tonqualität des Gesangsmikros von einem Auftritt Saviors in der Mercury Lounge in New York im Februar, das auch noch vor dem Ende des Songs abbricht. Konzentriert Euch deshalb einfach auf die Musik und die  Lyrics, die rein garnichts mit Corona zu tun haben, sondern eher davon handeln, wie es ist, vom Verliebtsein überwältigt zu werden. Das klingt so sehr nach einem endlosen Spätsommertag am Meer (suggeriert auch durch das Wellenrauschen zu Beginn und am Ende des Stücks), nach „auf einem Bootssteg das letzte Schokoeis der Saison schlecken“, dass einem beim Hören kurz eine Packung Selbstmitleid aufzubrechen droht. Weil einem diese wehmütig-schöne Situation im Moment leider verwehrt bleibt und man sie auch sonst bisher im Leben eher zu selten erleben durfte, da man sie, als sie noch möglich war, lieber abschätzig unter Kitsch und Sentiment gefiled hat? Na ja, spätestens beim dritten Mal Can’t help myself an einem Tag wird der Zugang zu dem Lied wieder ein nüchterner. Can’t find myself findet sich auch auf Saviours jüngstem Album The Archer, das im Januar auf 30th Century Records, dem Label von Danger Mouse, veröffentlicht wurde. Auch das Titelstück lässt den Schluss zu, dass es sich bei Alexandra Saviors Kompositionen um eine etwas handgemachtere, leicht erdigere Variante des schon ikonographischen Del-Rey-Retro handelt.

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